Zentralschweizer Spitalapéro vom 1. Februar 2018: Versorgungsmodelle und Berufsbilder im Wandel

Zentralschweizer Spitalapéro: patientenzentrierte Medizin und veränderte Berufsbilder

Am 31. Januar 2018 haben wir mit zahlreichen Gästen unseren traditionellen Zentralschweizer Spitalapéro im neu eröffneten Waldhotel Health von Bürgenstock Hotels & Resorts durchgeführt. Wir durften viele spannende Diskussionen erleben. Patientenzentrierte Medizin, veränderte Berufsbilder und neue Versorgungsmodelle werden das Schweizer Gesundheitswesen in Zukunft prägen.

Was bedeutet patientenzentrierte Medizin, und ist sie auch vernünftig?

Die sich verändernden Patientenbedürfnisse machen zunehmend deutlich, dass neue Versorgungsmodelle notwendig sind. Prof. Christoph A. Meier, Ärztlicher Direktor des Universitätsspitals Basel, hat die Frage nach einer sogenannten Value-based Medicine aufgeworfen und gleichzeitig zu einer solchen aufgefordert. Das Umdenken aufseiten der Leistungserbringer hin zu einer Nutzenmaximierung für den Patienten über den reinen Behandlungs- bzw. Genesungsprozess hinaus ist die aktuell grösste Herausforderung in einem stark kostengetriebenen System.

Der Patient soll aufgeklärt und wirklich an Behandlungs- und Therapieentscheiden beteiligt werden. Die Patientenzentrierung umfasst neben einer vertieften Kommunikation zwischen Arzt und Patient vor allem eine verstärkte Individualisierung des Behandlungsansatzes. Dabei ist auf die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen wie auch auf die Lebenssituation und die Risikobereitschaft des einzelnen Patienten einzugehen.

Dies kann dazu führen, dass einige Behandlungen nicht (mehr) durchgeführt werden, was aus ökonomischen Gründen für das Spital nicht vorteilhaft ist. Die Durchsetzung einer Value-based Medicine setzt daher auch neue Anreizsysteme voraus, die weniger die Menge, sondern den Outcome bzw. den Wert für den Patienten belohnen.

Pflegeberufe im Wandel und wie wir der Herausforderung des Fachkräftemangels entgegentreten sollten

Das Schweizer Gesundheitswesen benötigt in Zukunft neuartige Rollenbilder und Ausbildungsmodelle. Dies bekräftigt Prof. Sabine Hahn, Leiterin Disziplin Pflege sowie Leiterin angewandte Forschung Berner Fachhochschule. Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich bei den Veränderungen der Rollenbilder in pflegenden Berufen hinterher. Um die Attraktivität der Berufe zu steigern, braucht es neue Berufsbilder. APNs (Advanced Practice Nurses), die explizit die komplexen Fälle wie polymorbide Patienten innerhalb der Pflege übernehmen, sind eine Möglichkeit. Sie müssen sich allerdings in einem geeigneten Grade-Mix innerhalb der Pflege einbetten.

Der Wettbewerb um die bestausgebildeten und spezialisierten Fachkräfte hat begonnen und ist nur über veränderte Aus- und Weiterbildungssysteme und somit insgesamt über neuartige Rollenbilder in der Pflege zu entschärfen.

Herzlichen Dank an unsere Redner und alle Teilnehmenden

Wir bedanken uns vor allem bei Prof. Sabine Hahn, Leiterin Disziplin Pflege sowie Leiterin angewandte Forschung Berner Fachhochschule, und bei Prof. Christoph A. Meier, dem Ärztlichen Direktor des Universitätsspitals Basel, für ihre interessanten Impulsreferate, welche die Diskussionen weiter angeregt haben. Zudem danken wir den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den interessanten Austausch und hoffen, Sie auch im nächsten Jahr beim Zentralschweizer Spitalapéro begrüssen zu dürfen.

Im Namen des Healthcare-Teams von PwC,

Ihr Frederik Haubitz

Disclose 27, Fokus-Artikel 2: Lodging & Tourism als Branchenbericht

Disclose – Das Onlinemagazine von PwC 

«Für Höchstleistung braucht es Menschen, digitale Technologien und Vertrauen.»

Die Lektüre unseres jüngsten Disclose (disclose.pwc.ch/27/) wird Ihren Leseadrenalinspiegel hochschnellen lassen, denn wir widmen uns einem besonders sportlichen Thema: High Performing Organisations.

Fokus-Artikel 2 verschafft einen Einblick in das Thema Lodging & Tourism:

Die Schweiz konnte in den vergangenen Jahren trotz starken Frankens ihre Reputation als Topdestination halten. Wie lange noch? Um den hohen Erwartungen der Gäste gerecht zu werden, müssen Touristiker viel leisten fürs Geld. Dafür sind klar positionierte Angebote und eine hohe Dienstleistungsqualität nötig. Mit gut ausgebildeten Mitarbeitern, klugen Big-Data-Tools und gezielten Kooperationen können die Tourismusanbieter authentische Erlebnisse ermöglichen und in lukrativen Segmenten loyale Kunden sowie neue Marktanteile gewinnen. Dazu brauchen sie Ehrgeiz zur Perfektion und Mut zur Lücke – man kann nie alle Gästesegmente gleichzeitig glücklich machen.

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Kontakt

Nicolas Olivier Mayer
Partner, EMEA Industry Leader Lodging & Tourism, PwC Switzerland
nicolas.mayer@ch.pwc.com
Tel. +41 58 792 21 91

FINMA publiziert Wegleitung zu Initial Coin Offerings (ICOs)

In ihrer Medienmitteilung vom 16. Februar 2018 hat die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA ihre lang erwartete Wegleitung zu Initial Coin Offerings (ICO) publiziert, in welcher die Mindestangaben und Prinzipien bei finanzmarktrechtlichen Unterstellungsanfragen definiert werden.

Unter einem ICO versteht man eine digitale Form der öffentlichen Kapitalbeschaffung zu unternehmerischen Zwecken. Dabei werden Blockchain-basierte „Coins“ bzw. „Tokens“ im Austausch gegen Kryptowährungen (z.B. Bitcoin) oder staatlich emittierte Währungen verkauft. Der Token steht dabei für einen bestimmten Wert oder eine Gegenleistung, die das Unternehmen vor dem ICO festlegt.

Bereits in ihrer Medienmitteilung vom 29. September 2017 hat die FINMA das innovative Potenzial dieser Technologie anerkannt und die möglichen Berührungspunkte von ICOs zum geltenden Finanzmarktrecht aufgezeigt. In ihrer publizierten Wegleitung hält die FINMA nun zu Recht fest, dass eine generell-abstrakte Beurteilung bezüglich des anwendbaren Finanzmarktrechts aufgrund der sehr unterschiedlichen Ausgestaltung von Token und ICOs nicht möglich sei und vielmehr eine Einzelfallbetrachtung nötig ist.

Token-Kategorien

Die FINMA unterscheidet grundsätzlich zwischen drei verschiedenen Arten von Token (wobei Mischformen möglich sind):

  • Zahlungs-Token: Gelten als reine Kryptowährungen. Sie können als Zahlungsmittel für den Erwerb von Waren oder Dienstleistungen genutzt werden oder der Geld- und Wertübertragung dienen. Sie sind nicht mit weiteren Funktionen oder Projekten verknüpft.
  • Nutzungs-Token: Diese vermitteln Zugang zu einer digitalen Nutzung oder Dienstleistung, welche auf oder unter Benutzung einer Blockchain-Infrastruktur erbracht werden.
  • Anlage-Token: Repräsentieren Vermögenswerte (wie z.B. Anteile an Unternehmen, Erträge oder Ansprüche auf Dividenden oder Zinszahlungen). Je nach Ausgestaltung ist der Token wie eine Aktie, Obligation oder ein derivatives Finanzinstrument zu qualifizieren.

Rechtliche Beurteilung

Die FINMA kam zum Schluss, dass bei ICOs in rechtlicher Hinsicht vor allem die Geldwäscherei- und Effektenhandelsregulierung betroffen ist. Das Bankgesetz („BankG“) und das das Kollektivanlagengesetz („KAG“) sind demgegenüber typischerweise nicht betroffen.

Gestützt auf die Funktionsweise der verschiedenen Tokens nimmt die FINMA bei ICOs folgende rechtliche Beurteilung vor:

  • Zahlungs-ICOs: Zahlungs-Tokens fallen unter das Geldwäschereigesetz („GwG“), qualifizieren jedoch nicht als Effekten unter dem Finanzmarktinfrastrukturgesetz („FinfraG“) sowie dem Börsengesetz („BEHG“).
  • Nutzungs-ICOs: Qualifizieren grundsätzlich nicht als Effekten, sofern der Token ausschliesslich einen Anspruch auf Zugang zu einer digitalen Nutzung oder Dienstleistung vermittelt und im Zeitpunkt der Ausgabe in diesem Sinne einsetzbar ist. Dient ein Nutzungs-Token hingegen auch zu Anlagezwecken, wird er als Effekte angesehen.
  • Anlage-ICOs: Anlage-Tokens behandelt die FINMA als Effekten.

Denkbar sind auch Mischformen der verschiedenen Kategorien.

Die FINMA anerkennt das Innovationspotenzial von ICOs und der Blockchain-Technologie, weist aber auch auf Risiken hin, die sich für Anleger ergeben.

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Günther Dobrauz
Partner
Leader PwC Legal Switzerland
+41 58 792 14 97
guenther.dobrauz@ch.pwc.com

Tina Balzli
Head Banking
Director
Legal FS Regulatory & Compliance Services
+41 58 792 15 54
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Simon Schären
Manager
Legal FS Regulatory &
Compliance Services
+41 58 792 14 63
simon.schaeren@ch.pwc.com

Mark A. Schrackmann
Assistant Manager
Legal FS Regulatory and Compliance Services
+41 58 792 25 60
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Orkan Sahin
Assistant Manager
Legal, FS Regulatory & Compliance Services
+41 58 792 19 94
orkan.sahin@ch.pwc.com

Wie ist die Schweizer Immobilienbranche ins Jahr 2018 gestartet?

PwC – Immospektive Q1/18

Die starke Schweizer Wirtschaft lässt auf positive Impulse hoffen, zumindest für die Sorgenkinder Büro- und Retailimmobilien. Im Wohnungsmarkt hat sich das Angebot weiter ausgeweitet, so dass höhere Leerstände und Reduktionen bei Marktmieten erwartet werden. Dazu wird langfristig von einem moderaten Anstieg des historisch tiefen Zinsniveaus ausgegangen.

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Kurt Ritz
Partner, Real Estate Advisory
+41 58 792 14 49
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Director, Real Estate Advisory
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Audit 4.0 – Digitale Wirtschaftsprüfung

Der Einsatz von innovativen Technologien verändert Abschlussprüfung und -prüfer

Der technologische Wandel stellt die Finanzfunktionen vor neue Herausforderungen und bringt die Wirtschaftsprüfung unter Zugzwang. Nur wer mit digitalen Innovationen mitgeht, hält diesem Druck in Zukunft stand und erhöht die Qualität von Finanzberichterstattung und Abschlussprüfung.

Die globale Komplexität und Anforderungen an Datensicherheit und Transparenz nehmen zu. In diesem Umfeld sind die Unternehmen bestrebt, die Glaubwürdigkeit gegenüber allen Stakeholdern zu festigen und auszubauen. Deren Wunsch nach mehr Informationen steigt parallel zur Menge und zu den Verfügbarkeiten berichtsrelevanter Daten. Um diesem Wunsch zu entsprechen, muss der Bedarf an Mehrin- formationen adäquat adressiert werden. Das bedeutet, dass die Unternehmen in der vorherrschenden Datenflut klar und unmissverständlich die für ihre Steuerung und Finanzberichterstattung relevanten Daten von irrelevanten trennen. Sie sind demnach gut beraten, das Vertrauen in ihre Performance, die damit verbundene Finanzberichterstattung und die dieser zugrunde liegenden Daten zu stärken. Das Audit stellt dabei nicht nur eine rechtliche Notwendigkeit dar, sondern den Hauptpfeiler des Vertrauens.

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René Rausenberger
Dipl. Wirtschaftsprüfer, Partner, Leiter Technology Driven Audit
Tel. +41 58 792 22 66
rene.rausenberger@ch.pwc.com

Kristina Prenrecaj
Dipl. Wirtschaftsprüferin, Senior Manager, Financial Audit and
Advisory Services, Technology Driven Audit
Tel. +41 58 792 25 30
kristina.prenrecaj@ch.pwc.com

FINMA revidiert Rundschreiben zur „Video- und Online-Identifizierung“

Am 18. März 2016 hat die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA das Rundschreiben 2016/7 „Video- und Online-Identifizierung“ in Kraft gesetzt. Finanzintermediären ist es seither möglich, neben der persönlichen Vorsprache oder der Eröffnung einer Kundenbeziehung auf dem Korrespondenzweg, neue Kunden auf dem digitalen Weg zu identifizieren.

In ihrer Medienmitteilung vom 13. Februar 2018 hat die FINMA mitgeteilt, dass die Sorgfaltspflichten beim digitalen Kunden-Onboarding an die technologischen Weiterentwicklungen angepasst werden. Der Entwurf zum teilrevidierte Rundschreiben umfasst in Bezug auf die digitale Identifizierung neuer Kunden insbesondere folgende Neuerungen:

Video-Identifizierung

  • Um eine sichere Identifizierung zu gewährleisten und die Verwendung gefälschter Ausweise zu erschweren, sollen neu mindestens drei zufällig ausgewählte optische Sicherheitsmerkmale der Identifikationsdokumente durch die Finanzintermediäre überprüft werden (z.B. Hologramme, Laserkippbilder, Sicherheitsfaden, Mikroschrift etc.);
  • Die formalen Merkmale (z.B. Layout, Orthographie, Schriftart etc.) sollen neu mit Referenzen aus einer Ausweisdatenbank abgeglichen werden;
  • Die Verifikation der Vertragspartei im Identitätsprozess mittels Einmalpasswort (TAN) soll neu nicht mehr verlangt werden;
  • Neu soll der Identifizierungsvorgang auch dann fortgesetzt werden dürfen, wenn Hinweise auf erhöhte Risiken vorliegen. Die Geschäftsbeziehung soll jedoch erst nach Durchführung zusätzlicher Abklärungen und Zustimmung der vorgesetzten Person / Geschäftsführung aufgenommen werden dürfen.

Online-Identifizierung

  • Finanzintermediäre sollen angehalten werden, von allen relevanten Seiten der Identifizierungsdokumente ein Lichtbild einzuholen. Analog zur Video-Identifizierung soll auch bei der Online-Identifizierung der Vergleich mit einer Ausweisdatenbank verlangt werden;
  • Als zusätzliches Sicherheitselement wird neu eine Lebenderkennung (selfie with liveness detection) gefordert;
  • Neu soll nicht mehr zwingend eine Überweisung von einer Bank in der Schweiz verlangt werden. Unter bestimmten Vorgaben sollen auch Überweisungen von Banken in Liechtenstein oder in einem Mitgliedstaat der Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF) ausreichend sein.

Die FINMA führt bis zum 28. März 2018 eine Anhörung durch. Den Finanzintermediären wird eine Übergangsfrist von 6 Monaten ab Inkrafttreten des teilrevidierten Rundschreibens gewährt, um ihre Prozesse bei der Video- und Online-Identifizierung anzupassen.

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Günther Dobrauz
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Das Geschäfts­modell von Uber gibt Gas

Kaufen, wachsen, verdrängen – und jetzt: teilen. In einigen Märkten setzen sich jenseits von Wachstum und Hyperwettbewerb neue Geschäftsmodelle durch: der Ko-Konsum über digitale Plattformen. Was unterscheidet diese Geschäftsmodelle von herkömmlichen? Warum setzen sich manche durch? Und was können wir daraus lernen? In diesem Blog vergleichen wir den konventionellen Ansatz von Taxibetreibern mit dem unkonventionellen Vorreitermodell von Uber.

Teilen, teilen, breit verteilen

Zum Vormarsch der Sharing Economy wesentlich beigetragen haben Unternehmen wie die Ferienwohnungsvermittlung Airbnb oder die Fahrvermittlung Uber. Tauschgeschäfte wie diese hat es allerdings schon vor der digitalen Revolution gegeben. Zimmer wurden bereits im Mittelalter gegen ein geringes Entgelt vermietet. Und lange vor Uber nutzten Reiselustige die Vorteile der Mitfahrgelegenheit. Doch erst dank der Digitalisierung liessen sich diese Tauschbeziehungen in der grossen Masse erfassen – und Märkte zu Massenmärkten aufsteigen.

Ein Modell mit dem gewissen Extra

«Das neue Uber», so bezeichnen Medien immer häufiger vielversprechende Startup-Geheimtipps, die erfolgreich neue Branchen angreifen. Denn Uber gilt als Primus schlechthin der Sharing Economy. Uber hat die Fahrzeugbeförderung vereinfacht und lehrt in Städten weltweit die lokalen Taxibetriebe das Fürchten. Diese wissen sich häufig nur durch rechtliche Schritte zu wehren – teilweise sogar mit Erfolg, wie Beispiele in New York City oder in deutschen Metropolen zeigen. Bleibt die Frage, was das Geschäftsmodell von Uber dem klassischen Taximodell so überlegen macht.

Klassisches Geschäftsmodell eines Taxibetriebs.

Die Geschäftsmodelle von Uber und bisheriger Taxiunternehmen sind auf den ersten Blick gar nicht so verschieden. In beiden Fällen werden Fahrgäste von A nach B befördert. Doch Uber geht in den Bereichen Schlüsselressourcen und Kundenkanäle komplett neue Wege.

Das Geschäftsmodell von Uber.

Flexible Schlüsselressourcen

Unter Schlüsselressourcen verstehen wir alle Mittel, die gewinnbringend zur Herstellung oder Veredelung eines Angebots eingesetzt werden und deren Verfügbarkeit knapp ist (z.B. talentierte Mitarbeitende, seltene Erden, eine einzigartige Markenbindung usw.). Etablierte Taxibetriebe besitzen meistens einen grossen Fuhrpark und Taxilizenzen, die von den Städten erworben wurden. Deren Herausgabe ist in der Anzahl streng limitiert, damit sich ein zu starker Wettbewerb und entsprechende Kleinstlöhne verhindern lassen. Gleichzeitig macht es dieser Umstand für Taxibetriebe beinahe unmöglich, in weitere Städte zu expandieren.

Uber dagegen besitzt keine eigene Flotte und erst recht keine firmeneigenen Chauffeure. Die Schlüsselressource von Uber ist die digitale Plattform, also der virtuelle Marktplatz, auf dem sich unabhängige Chauffeure und Fahrgäste für die Fahrten verabreden. Dabei legt Uber die Regeln für die Geschäftsbeziehungen fest (zugelassene Autotypen, Preise, Bezahlung, Bewertungen). Um sich in neuen Städten zu etablieren, musste Uber weder einen Fuhrpark aufbauen noch Chauffeure rekrutieren. Das Unternehmen konnte einfach mit vergleichsweise geringem Personalaufwand seine Plattform auf die neuen Städte ausrollen. Diese Flexibilität ermöglichte Uber eine schnelle und aggressive Expansion rund um den Globus, wie es sie kaum je zuvor gegeben hat.

Vernetzte Kundenkanäle

Kundenkanäle beschreiben den Weg vom Kunden zum Angebot. Dazu gehören alle Distributions- und Kommunikationskanäle, über die der Kunde vom Angebot erfährt oder dieses erwirbt. Im Taxigeschäft sucht der Fahrgast ein Taxi. Steht nicht gerade ein frei verfügbares in der Nähe, muss er die Taxizentrale anrufen und ein Weilchen warten. Nicht so bei Uber, hier muss er keine x-beliebige Taxirufnummer auswendig lernen. Denn hat er die Uber-App einmal auf seinem Smartphone installiert, startet seine nächste Taxifahrt nur wenige Klicks entfernt. Die App erfasst über GPS den Standort des Kunden automatisch und vermittelt sofort zwischen Chauffeur und Fahrgast – kürzere Anfahrt, weniger Wartezeit.

Kurz und gut

Ein Geschäftsmodell beschreibt im Kern jenen Vorteil, von dem ein Kunde durch den Erwerb des Produkts oder der Dienstleistungen profitiert. Sowohl bei herkömmlichen Taxibetreibern als auch bei Uber können Fahrgäste von einem Ort zum nächsten gelangen. Allerdings unterscheidet sich das Uber-Modell in den Schlüsselressourcen und Kundenkanälen grundlegend vom klassischen Taxianbieter und optimiert den Nutzen – also der Kern des Geschäftsmodells – für Fahrgäste und Chauffeure. Die App verringert Bestellaufwand und Wartezeit für die Fahrgäste. Chauffeure kommen einfacher zu Fahraufträgen. So deutlich, dass sogar Privatpersonen in den Taximarkt einsteigen und ihre Fahrdienste anbieten.

In manchen Branchen löst gerade diese Art von Disruption – also die Störung bestehender Geschäftsmodelle – einen Wandel aus. Dabei zwingen Uber und ähnliche Plattformen die Mitbewerber dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen und sich von innen heraus selbst zu «stören» – statt darauf zu warten, dass die Disruption sie von aussen überrollt.

 

Ihr Ansprechpartner

Olivier Kofler
Experience Center Director
Office: +41 58 792 3090
Email: olivier.kofler@pwc-digital.ch

Technologische Nachhaltigkeit: Das eine tun und das andere nicht lassen

Bei Robotic Process Automation (RPA) steht der kurzfristige Mehrwert in Form von Kostenersparnissen oder Effizienzgewinnen im Mittelpunkt. In einem sogenannten Exzellenzzentrum kann ein Unternehmen seine Automatisierungsaktivitäten bündeln, die Prioritäten in einem «Book of Work» festhalten und die erfolgreiche Ausführung von RPA-Lösungen steuern. Doch RPA ersetzt nicht die strategische Perspektive. Den Weitblick auf die Zukunftsfähigkeit der eigenen Prozess- und IT-Landschaft muss sich ein Unternehmen auf alle Fälle erhalten.

Gerade in Konzernen – allen voran in Grossbanken – erscheint das Thema RPA immer häufiger auf den Agenden der Verantwortungs- und Entscheidungsträger. Denn wo sich grosse Volumen manueller Tätigkeiten automatisieren oder Medienbrüche überbrücken lassen, bietet RPA attraktive Zielgrössen: Kosteneinsparungen, Effektivitäts- oder Qualitätssteigerungen, Fehlerreduktion oder das Freisetzen von personellen Ressourcen für höher qualifizierte Arbeiten.

RPA-Lösungen werden in der Regel für vielseitige Prozesse in verschiedenen Geschäftseinheiten und Abteilungen genutzt. Demnach stellt sich der Unternehmensführung die Frage, wie sie diese Offensive firmenweit vereint, mit anderen Systemen mittels Application Programming Interfaces (APIs) kombiniert, um Technologien wie Artificial Intelligence (AI) erweitert und mit den Compliance- und Risikomanagement-Anforderungen des Unternehmens in Einklang bringt. Für deren Steuerung und Kontrolle eignet sich ein Exzellenzzentrum, kurz CoE.

Ein Exzellenzzentrum (CoE) wird oft auch als Kompetenz- oder Fähigkeitszentrum bezeichnet und übernimmt für ein Unternehmen Führung, Best Practices, Forschung oder Trainings in einem bestimmten Themenschwerpunkt wie zum Beispiel einer Technologie, einem Geschäfts-konzept oder einer Fertigkeit. In Technologieunternehmen beschäftigt sich das CoE-Konzept meist mit neuen Softwaretools, Technologien oder entsprechenden Konzepten.

Kräfte und Synergien gezielt nutzen

Ein CoE bündelt sämtliche Kompetenzen und Initiativen rund um RPA, justiert die Gesamtausrichtung und misst die Zielerreichung. Mit einer systematischen Struktur und einer klaren Hierarchie (vgl. Abbildung 1) stellt das CoE sicher, dass die externen und firmeneigenen Standards eingehalten werden. Ein strukturiert aufgebautes CoE kann unternehmensintern aufgebaut, an einen strategischen Partner ausgelagert oder in einer Kombination von internen und externen Spezialisten betrieben werden.

Ein klug strukturiertes CoE vereint die vielschichtige Expertise um RPA in einer schlagkräftigen Organisation

Exzellenz in mehrschichtiger Ausprägung

Um die Steuerungsfunktion für alle RPA-Bestrebungen des Unternehmens wahrzunehmen, beinhaltet ein CoE idealerweise verschiedene Funktionen und greift dazu auf die Erfahrung von Spezialisten zurück.

  • Governance und Strategie: Dieser Bereich regelt das Zusammenspiel sämtlicher RPA-Aktivitäten und hält sie gesamtunternehmerisch auf Kurs. Hier wird definiert, was das Unternehmen mit RPA insgesamt erreichen will, welche rechtlichen, regulatorischen, ökonomischen und sozialen Ansprüche erfüllt werden müssen und wie die Ziele rapportiert und schliesslich kontrolliert werden.
  • Change Management: RPA-Anwendungen führen zu technologischen, organisatorischen und prozessualen Veränderungen. Im Change Management werden die entsprechenden Richtlinien dafür bereitgestellt.
  • Knowledge Management: Das Wissen um Zusammenhänge und Auswirkungen gehört zu den zentralen Erfolgskomponenten von RPA. In diesem Bereich wird Expertise aufgebaut, vertieft, geteilt und langfristig gesichert.
  • Richtlinien und Standards: In dieser Funktion ist der gesamte technische Teil geregelt. Dazu gehören die Zertifizierungspolitik, das Service Management (etwa bei Releases), die Definition von Datenmodellen und Key Performance Indicators sowie das gesamte Monitoring im Sinne einer regelmässigen Optimierung.
  • Technologie-Architektur: Wer RPA-Lösungen einsetzt, braucht klare Anforderungen an die einzusetzenden Tools. Dieser Bereich deckt die Evaluation, Auswahl, Lizenzierung, Einführung, Inbetriebnahme und Wartung von RPA-Instrumenten ab. Ausserdem muss hier die Frage beantwortet werden, inwieweit die Architektur andere Technologien wie AI einbinden möchte.
  • Implementierung: In diesem Organisationsbereich geht es um die tatsächliche Ausführung von RPA-Lösungen, vom Bau über den Betrieb bis zur Wartung. Im «Book of Work» werden die Kriterien für die Priorisierung der Aufträge festgehalten. Ebenfalls in dieser Funktion findet die Abschätzung des Nutzens statt. Das Unternehmen hält also fest, welchen spür- und messbaren Mehrwert es von seiner RPA-Architektur erwartet und wie es diesen reinvestiert.
Über diverse Kernfunktionen gewährt ein CoE die Nachhaltigkeit von RPA-Technologien.

Von zentral bis dezentral aufgebaut

Konzerne mit weltweitem Wirkungsradius haben komplexere Rahmenbedingungen für den konsequenten Einsatz von RPA als Unternehmen mit einem einzigen Binnenmarkt. Entsprechend unterscheiden sich die Betriebsmodelle ihrer CoEs. Ein zentrales Modell wird von einem Team mit gemeinsamen Ressourcen angeführt und ist in der Regel am (Technologie-)Hauptsitz des Unternehmens domiziliert. Im dezentralen Ansatz wird die RPA-Kontrollfunktion von verschiedenen, geografisch meist getrennten Geschäftseinheiten wahrgenommen. Das hybride Modell stellt eine Kombination der vorgängig erläuterten Ansätze dar. Allen gemeinsam ist eine Aggregation von Wissen und Kontrollmechanismen im Dienst der RPA- und Complianceziele.

Kurz und gut

Mit der Einführung von RPA muss ein Unternehmen festhalten, wie es die Nachhaltigkeit dieser neuen Schnittstellentechnologie sicherstellt. Ein durchdachtes CoE kann die RPA-Bestrebungen harmonisieren und Kräfte synergetisch zusammenführen. Diesem Ja folgt allerdings ein Aber: Mit RPA lassen sich vorwiegend kurzfristige Vorteile erzielen, etwa Kosten sparen, Effizienz erhöhen, Kapazitäten freisetzen oder Fehler aufgrund von manuellen Eingriffen vermeiden. Diese ökonomische Unmittelbarkeit macht die Technologie denn auch so attraktiv. Allerdings greift sie eindeutig zu kurz, weil RPA-Lösungen die Komplexität der IT- und Prozesslandschaft eines Unternehmens erhöhen und tiefgreifende Architekturüberlegungen wie zum Beispiel den Ersatz eines Altsystems verzögern können. RPA muss daher als Technologie verstanden werden, die unter Verwendung bestehender IT-Systeme kurzzeitige Einsparungen ermöglicht und so der IT-Architektur Zeit und Flexibilität verschafft, um den Bedürfnissen des Unternehmens auf lange Sicht gerecht zu werden. Im Hinblick auf die technologische Nachhaltigkeit von RPA dürfen die Unternehmen ihre längerfristigen, strategischen Initiativen deshalb nicht aus den Augen verlieren. Bei diesem Thema empfiehlt sich die Maxime: Das eine tun und das andere nicht lassen.

 

Kontakt

Alexander Schultz-Wirth
Partner Financial Services – Business Technology
Office: +41 58 792 47 97
Email: alexander.schultz-wirth@ch.pwc.com

 

Umdenken bei steuerlicher Würdigung von Aus- und Weiterbildung

Das neue Bundesgesetz über die steuerliche Behandlung der berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten (WeBiG) ist auf den 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Dem Gesetz folgten mit Inkraftsetzung per 1. Januar 2017 die entsprechende Verordnung und am 30. November 2017 das Kreisschreiben Nr. 42. Dieses regelt die Ausführung des Gesetzes und klärt Einzelfragen, insbesondere aus Sicht des Steuerkommissärs und weniger aus Sicht des Arbeitgebers.

Angepasstes Bundesgesetz

Durch die Änderungen in der Besteuerung von berufsorientierter Aus- und Weiterbildung mussten diverse Artikel des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer angepasst werden. Neue Artikel kamen hinzu (Art. 17 Abs. 1bis; Art. 27 Abs. 2 Bst. e; Art. 33 Abs. 1 Bst. j; Art. 59 Abs. 2 Bst. e), bestehende Artikel wurden abgeändert (Art. 26 Abs. 1 Bst. c) oder aufgehoben (Art. 26 Abs. 1 Bst. d; Art. 34 Bst. b). Alle Änderungen bringen einen Paradigmenwechsel zum Ausdruck. Demnach gelten Weiterbildungskosten nicht länger als Berufskosten, sondern erhalten eine eigenständige Abzugsfähigkeit.

Paradigmenwechsel: Keine Berufskosten mehr

Neu sind die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten unabhängig von einer beruflichen Tätigkeit und einem Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit abzugsfähig. Das kann zur Folge haben, dass zum Beispiel die Vollzeitausbildung eines Ehegatten das steuerbare Einkommen des Ehepartners mindert. Weiterhin bleiben nur die eigenen Aus- und Weiterbildungskosten abzugsfähig. Bezahlt also ein Konkubinatspartner die Ausbildung seines Partners, so kann er diese Kosten nicht geltend machen.

Berufsorientiert oder nicht?

Aus- und Weiterbildung ist nur dann abzugsfähig, wenn unter anderem die Schulungsmassnahme berufsorientiert ist. Ziffer 4 des Kreisschreibens 42 definiert berufsorientierte Aus- und Weiterbildung wie folgt:
«Berufsorientierte Aus- und Weiterbildung beinhaltet, durch organisiertes Lernen bestehende berufliche Qualifikationen zu erneuern, zu vertiefen und zu erweitern oder neue berufliche Qualifikationen zu erwerben, um damit die berufliche Flexibilität zu unterstützen. Dabei ist es unerheblich, ob die berufsorientierte Aus- und Weiterbildung zu einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit führt. Es spielt auch keine Rolle, ob die berufsorientierte Aus- oder Weiterbildung im direkten Zusammenhang mit der Erzielung des gegenwärtigen Erwerbseinkommens steht (…).»
Aus dieser allgemeinen Definition ergeben sich Abgrenzungsfragen zu individuellen Schulungen wie Berufs-, Studien-, Karriereberatung und Coaching oder zu Anlässen im Bereich Unterhaltung, Erlebnis, Geselligkeit, Sport und Hobby (wie Teambildungsevents, Erste-Hilfe- oder Fahrkurse). Diese gelten auch dann als nicht berufsorientiert, wenn sie ein untergeordnetes Bildungselement enthalten. In solchen Fällen sollten Sie prüfen, ob diese Kosten nicht möglicherweise unter einem anderen Titel abzugsfähig sind, etwa als Berufskosten (Coaching, Berufsberatung, Seminare, wenn ein Bezug zum Erwerbseinkommen besteht) oder als Gesundheitskosten (Sportkurse, die angeordnet oder dringend empfohlen werden).
Das Kreisschreiben erläutert nicht, wie der Arbeitgeber nicht berufsorientierte Aus- und Weiterbildungskosten in der Lohnbuchhaltung behandeln soll – obwohl diese geschäftsmässig oft begründet und als Aufwand akzeptiert sind.

Was ist abzugsfähig?

Grundsätzlich wird bei der Geltendmachung von Steuerabzügen für Aus- und Weiterbildung in erster Linie an die Kurskosten und Prüfungsgebühren gedacht. Diese sind selbstverständlich abzugsfähig. Zudem können weitere Kostenarten in der Steuererklärung geltend gemacht werden, sofern sie entstanden sind: Kursmaterialien, Reisekosten (keine Begrenzung wie bei FABI), Verpflegung, Unterkunft (Ansätze für Wochenaufenthalter) und Werkzeuge (z.B. Computer, Privatanteil!).
Bei der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Kosten berufsorientierter Aus- und Weiterbildung sollten Sie diese auch im Hinblick auf den persönlichen Ausbildungsstand beurteilen. Zum Beispiel können Personen, die unter 20 Jahre alt sind und keinen Abschluss auf Sekundarstufe II haben, keine Aus- und Weiterbildungskosten in Abzug bringen.

Rückerstattung an Arbeitgeber

Muss der Mitarbeiter die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten, die von seinem Arbeitgeber zunächst (ganz oder teilweise) übernommen wurden, diesem zurückbezahlen (z.B. aufgrund einer Rückzahlungsklausel in der Ausbildungsvereinbarung bei vorzeitigem Stellenwechsel), kann er dafür im Zeitpunkt der Rückzahlung den Abzug gemäss Artikel 33 Absatz 1 Buchstabe j DBG geltend machen. Hat der Arbeitgeber diese Kosten über mehrere Kalenderjahre übernommen, kann der Mitarbeiter im Jahr der Rückzahlung einen Abzug von höchstens jährlich CHF 12’000 in jenem Kalenderjahr geltend machen, in dem die Kosten angefallen sind. Übernimmt der neue Arbeitgeber die Aus- und Weiterbildungskosten, muss zwischen einer abgeschlossenen und einer laufenden Ausbildung unterschieden werden.

Verteilung der Beweislast

Wie üblich muss der Steuerpflichtige, der Abzüge geltend machen will, die Rechtmässigkeit des Abzuges nachweisen. So muss er den Umfang der Kosten belegen und beweisen, dass er diese auch effektiv selber getragen hat. Falls der Lehrgang keinen Zusammenhang mit dem ausgeübten Beruf hat, muss der Steuerpflichtige nachweisen, dass er den Lehrgang zu seiner «beruflichen Qualifikation» besucht hat.

Sozialversicherungen unverändert

Die steuerlichen Änderungen haben keine sozialversicherungsrechtlichen Auswirkungen. Hier bleibt alles gleich. Die Aus- und Weiterbildungskosten müssen mit der beruflichen Tätigkeit des Arbeitnehmers eng verbunden sein, wenn der Arbeitgeber sie trägt. Zum Beispiel könnten vom Arbeitgeber getragene Umschulungskosten zu einer Sozialversicherungspflicht führen, nicht aber zu einer steuerbefreiten Behandlung.

Unter dem Strich

Als Arbeitgeber sind Sie gut beraten, sich mit diesen Details auseinanderzusetzen und Ihre Systeme und Prozesse entsprechend anzupassen. An dieser Stelle weisen wir auf die Veranstaltung «Wissen, was in der Aus- und Weiterbildung läuft» der PwC Academy vom 6. März 2018 hin.

Update: Neue Subjektfinanzierung – passen Sie Ihr Weiterbildungsreglement an

Finanzielle Unterstützung auf Antrag

Der Bundesrat hat am 15. September 2017 die neue, subjektorientierte Förderung von Weiterbildungen verabschiedet. Ab Januar 2018 werden Teilnehmer von Kursen, die auf eine eidgenössische Prüfung vorbereiten, auf Antrag finanziell unterstützt. Die neuen Bestimmungen erfordern, dass Sie voraussichtlich Ihr Weiterbildungsreglement anpassen. Wir erklären, warum und wie.

Nach wie vor herrscht in vielen Bereichen Fachkräftemangel. Vor diesem Hintergrund hat der Bund diverse Gegenmassnahmen konzipiert, unter anderem die Subjektfinanzierung. Durch eine einheitliche Förderung von Weiterbildungsmassnahmen will er lebenslanges Lernen unterstützen. Darüber hinaus wollte er seine Subventionierung von Weiterbildungsinstituten vereinheitlichen und so für gleich lange Spiesse sorgen.

Bund zahlt mit
Ab dem 1. Januar 2018 greift der Bund Teilnehmern von Kursen, die auf eine eidgenössische Prüfung vorbereiten, finanziell unter die Arme. Zusätzlich erhöht er seine Beiträge zugunsten der höheren Berufsbildung deutlich. Damit vereinheitlicht er schweizweit die finanzielle Unterstützung von Studierenden auf Tertiärstufe. Neu werden Zuschüsse an Kurse für eidgenössische Berufs- oder höhere Fachprüfungen direkt an die Kursteilnehmer ausbezahlt, sofern die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Nachdem die Studenten die eidgenössischen Prüfungen abgelegt haben, erhalten sie 50% der anrechenbaren Kursgebühren (Obergrenze anrechenbarer Kosten betragen CHF 19‘000 für eidgenössische Berufsprüfungen und CHF 21‘000 für eidgenössische höhere Fachprüfungen) zurückerstattet. Die Rückerstattung ist unabhängig vom Prüfungserfolg.

Antrag online einreichen
Konkret bedeutet das für Teilnehmer entsprechender Weiterbildungskurse, dass sie diese zunächst selber finanzieren müssen. Ihren Antrag auf Bundesbeiträge können sie auf einem Onlineportal (ab 2018 verfügbar) des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) einreichen. Auf diesem Portal ist eine Liste der zuschussberechtigten Weiterbildungskurse publiziert. Kurse, die nach dem
1. Januar 2017 angelaufen sind, die Voraussetzungen für die Zuschüsse durch den Bund erfüllen und nicht kantonal subventioniert wurden, sind grundsätzlich zuschussberechtigt. Bei Kursen, die nach dem
1. August 2017 gestartet sind, ist höchstwahrscheinlich keine kantonale Subventionierung erfolgt.

Arbeitgeber müssen über die Bücher
Häufig leisten Arbeitgeber einen Beitrag an die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Darum werden mit der Einführung der Subjektfinanzierung Anpassungen der meisten Weiterbildungsreglemente und -richtlinien nötig, gerade bei der Finanzierung, Arbeitgeberunterstützung und Kursauswahl. Auch die Abwicklung der Weiterbildungszahlungen und die Abbildung auf dem Lohnausweis sind anzupassen.
Denn: Wie der Arbeitgeber diese Beiträge handhabt, kann die Zuschussberechtigung des Teilnehmers weitgehend beeinflussen. Der Bund trägt nur zu Kursgebühren bei, die von den Absolventen an die Kursanbieter bezahlt wurden. Kursgebühren, die ursprünglich von einer Drittpartei wie einem Arbeitgeber übernommen werden, beachtet er für die Bemessung des Zuschussanspruchs nicht. Ausserdem zahlt er seine Beiträge nur direkt an die Kursteilnehmer aus, nicht an Dritte.

Zwei anschauliche Beispiele

Das SFBI hat zur Erläuterung die folgenden Beispiele publiziert:

  • Monika Muster bezahlt die Gebühren für den vorbereitenden Kurs. Sie hat vollen Anspruch auf den Bundesbeitrag und erhält diesen ausbezahlt. Sie regelt mit ihrem Arbeitgeber, in welchem Umfang und welcher Art sich dieser an der Finanzierung der Kursgebühren beteiligt.
  • Der Arbeitgeber von Peter Zürcher beteiligt sich an den Kursgebühren und zahlt seinen Anteil direkt dem Kursanbieter. Der Bund leistet dafür keinen Beitrag. Peter Zürcher erhält den Bundesbeitrag nur für die Kursgebühren, die er selbst an den Kursanbieter bezahlt hat.

Stolperstein direkte Zahlung
Kann ein Mitarbeiter die Kosten für den Kursbesuch zunächst nicht selbst tragen, darf der Anspruch auf Zuschüsse durch den Bund nicht verloren gehen – darauf sollte der Arbeitgeber achten. Zahlt dieser den Kurs nämlich direkt dem Anbieter, entfällt eine wichtige Voraussetzung für die Rückerstattung durch den Bund: die direkte Zahlung durch den Kursteilnehmer selbst. Als Alternative ist eine vorgezogene Rückerstattung vor Abschluss der Weiterbildung denkbar.

Kursteilnehmer, denen die Vorleistung aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, haben unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, Teilbeträge des Bundeszuschusses bereits vor Absolvieren der eidgenössischen Prüfung zu beantragen. Hierfür müssen folgende drei Punkte kumulativ erfüllt sein:

  • Gemäss letzter Steuerveranlagung mussten weniger als CHF 88 direkte Bundessteuer bezahlt werden.
  • Es muss eine schriftliche Verpflichtung abgegeben werden, dass die eidgenössische Prüfung absolviert, und dass innerhalb von fünf Jahren nach erstem Antrag die Prüfungsverfügung über Bestehen oder Nichtbestehen eingereicht wird.
  • Die anrechenbaren Kursgebühren müssen CHF 3’500 übersteigen.

Wer sich nicht an die schriftliche Verpflichtung hält, sprich die eidgenössische Prüfung nicht absolviert oder die Prüfungsverfügung nicht innerhalb von fünf Jahren einreicht, wird zur Rückzahlung der Teilbeträge verpflichtet.

Mehrwert nutzen
Die Umsetzung der neuen Subjektfinanzierung ist facettenreich: Anpassung von Reglementen, Abwicklung in der (Lohn-)Buchhaltung, korrektes Erstellen des Lohnausweises. Gerne zeigen wir Ihnen, wie Sie und Ihre Mitarbeiter sich die Vorzüge der neuen Finanzierung vollumfänglich zunutze machen.

Den ausführlichen Artikel zum Thema “Neue Subjektfinanzierung” können Sie im HR Today Magazin nachlesen.