Zentralschweizer Spitalapéro vom 1. Februar 2018: Versorgungsmodelle und Berufsbilder im Wandel

Zentralschweizer Spitalapéro: patientenzentrierte Medizin und veränderte Berufsbilder

Am 1. Februar 2018 haben wir mit zahlreichen Gästen unseren traditionellen Zentralschweizer Spitalapéro im neu eröffneten Waldhotel Health von Bürgenstock Hotels & Resorts durchgeführt. Wir durften viele spannende Diskussionen erleben. Patientenzentrierte Medizin, veränderte Berufsbilder und neue Versorgungsmodelle werden das Schweizer Gesundheitswesen in Zukunft prägen.

Was bedeutet patientenzentrierte Medizin, und ist sie auch vernünftig?

Die sich verändernden Patientenbedürfnisse machen zunehmend deutlich, dass neue Versorgungsmodelle notwendig sind. Prof. Christoph A. Meier, Ärztlicher Direktor des Universitätsspitals Basel, hat die Frage nach einer sogenannten Value-based Medicine aufgeworfen und gleichzeitig zu einer solchen aufgefordert. Das Umdenken aufseiten der Leistungserbringer hin zu einer Nutzenmaximierung für den Patienten über den reinen Behandlungs- bzw. Genesungsprozess hinaus ist die aktuell grösste Herausforderung in einem stark kostengetriebenen System.

Der Patient soll aufgeklärt und wirklich an Behandlungs- und Therapieentscheiden beteiligt werden. Die Patientenzentrierung umfasst neben einer vertieften Kommunikation zwischen Arzt und Patient vor allem eine verstärkte Individualisierung des Behandlungsansatzes. Dabei ist auf die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen wie auch auf die Lebenssituation und die Risikobereitschaft des einzelnen Patienten einzugehen.

Dies kann dazu führen, dass einige Behandlungen nicht (mehr) durchgeführt werden, was aus ökonomischen Gründen für das Spital nicht vorteilhaft ist. Die Durchsetzung einer Value-based Medicine setzt daher auch neue Anreizsysteme voraus, die weniger die Menge, sondern den Outcome bzw. den Wert für den Patienten belohnen.

Pflegeberufe im Wandel und wie wir der Herausforderung des Fachkräftemangels entgegentreten sollten

Das Schweizer Gesundheitswesen benötigt in Zukunft neuartige Rollenbilder und Ausbildungsmodelle. Dies bekräftigt Prof. Sabine Hahn, Leiterin Disziplin Pflege sowie Leiterin angewandte Forschung Berner Fachhochschule. Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich bei den Veränderungen der Rollenbilder in pflegenden Berufen hinterher. Um die Attraktivität der Berufe zu steigern, braucht es neue Berufsbilder. APNs (Advanced Practice Nurses), die explizit die komplexen Fälle wie polymorbide Patienten innerhalb der Pflege übernehmen, sind eine Möglichkeit. Sie müssen sich allerdings in einem geeigneten Grade-Mix innerhalb der Pflege einbetten.

Der Wettbewerb um die bestausgebildeten und spezialisierten Fachkräfte hat begonnen und ist nur über veränderte Aus- und Weiterbildungssysteme und somit insgesamt über neuartige Rollenbilder in der Pflege zu entschärfen.

Herzlichen Dank an unsere Redner und alle Teilnehmenden

Wir bedanken uns vor allem bei Prof. Sabine Hahn, Leiterin Disziplin Pflege sowie Leiterin angewandte Forschung Berner Fachhochschule, und bei Prof. Christoph A. Meier, dem Ärztlichen Direktor des Universitätsspitals Basel, für ihre interessanten Impulsreferate, welche die Diskussionen weiter angeregt haben. Zudem danken wir den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den interessanten Austausch und hoffen, Sie auch im nächsten Jahr beim Zentralschweizer Spitalapéro begrüssen zu dürfen.

Im Namen des Healthcare-Teams von PwC,

Ihr Frederik Haubitz

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Frederik Haubitz

Frederik Haubitz

Frederik Haubitz
Consultant Beratung Gesundheitswesen
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Frederik Haubitz ist Consultant im Bereich Beratung Gesundheitswesen bei PwC. Er fokussiert sich auf Strategie-, Organisations- und gesundheitsökonomische Beratung. Zu seinen Kunden gehören unterschiedliche Leistungserbringer sowie weitere Akteure im Gesundheitswesen. Frederik Haubitz ist regelmässig Mitautor von Studien wie beispielsweise "Schweizer Spitäler: So gesund waren die Finanzen 2016" und Verfasser von Beiträgen für den PwC-Healthcare Blog.