FinTech Aktionsplan – Europäische Kommission leitet Massnahmen für einen wettbewerbsfähigeren und innovativeren Finanzmarkt ein

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Für viele Finanzdienstleistungsunternehmen bieten Finanztechnologien (kurz „FinTech“) und technologische Innovationen im Allgemeinen enorme Möglichkeiten in Bezug auf den Zugang zu Finanzmittel, operative Effizienz, Kosteneinsparungen und Wettbewerb. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission am 8. März 2018 einen Aktionsplan mit insgesamt 23 Massnahmen vorgelegt, wie die Chancen technologischer Innovationen im Finanzdienstleistungssektor besser genutzt werden können. Zukünftig soll die EU ein globaler Knotenpunkt für FinTech werden.

Der Aktionsplan verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:

  •  innovativen Geschäftsmodellen eine binnenmarktweite Expansion ermöglichen,
  • den Einsatz neuer Technologien (wie z.B. Distributed-Ledger-Technologie wie Blockchain, künstliche Intelligenz, Mobilanwendungen, Cloud-Computing etc.) im Finanzsektor fördern und
  •  die Cybersicherheit sowie die Integrität des Finanzsystems stärken.

Der FinTech-Aktionsplan

Zur Erreichung der vorgenannten Ziele sind unter anderem die folgenden Massnahmen vorgesehen:

  •  Die Kommission wird ein FinTech-Labor beherbergen, bei dem europäische und nationale Behörden in einem neutralen Umfeld mit Technologieanbietern zusammenarbeiten können.
  • Weiterführung des bereits eröffneten EU Blockchain Observatory and Forum. Das Forum wird im weiteren Verlauf des Jahres 2018 über die Möglichkeiten und Herausforderungen von Krypto-Assets berichten und arbeitet bereits an einer umfassenden Studie für Distributed-Ledger- und Blockchain-Technologien.
  • Durch den Einsatz innovativer Technologien zur Vernetzung nationaler Datenbanken soll die Digitalisierung der von börsennotierten Unternehmen in Europa veröffentlichten Informationen weiter vorangetrieben werden. Dadurch soll es Anlegern zukünftig ermöglicht werden, vereinfacht auf wesentliche Informationen zugreifen zu können, um ihre Investmententscheidungen zu treffen.
  • Zum verbesserten Informationsaustausch im Bereich Cybersicherheit wird die Kommission regelmässig Workshops veranstalten.
  • Die Kommission wird anhand von Leitlinien der Europäischen Finanzaufsichtsbehörden einen Leitfaden mit bewährten Verfahren zu Regulierungsboxen (sog. „Sandboxes“) vorlegen. Unter einer „Sandbox“ versteht man einen sicheren und kontrollierten Raum, in dem FinTech-Unternehmen Innovationen – mit oder ohne regulatorische Entlastung – am Markt testen können.

Verordnung zum Crowdfunding

Im Bereich des „Crowdfunding“ hat die Europäische Kommission einen umfangreichen Verordnungsvorschlag vorgelegt, mit dem erstmals ein europäischer Rechtsrahmen für diese Finanzierungsform geschaffen wird. Nach dem Willen der Europäischen Kommission sollen Start-ups und kleine Unternehmen zukünftig leichter finanzielle Mittel bei Investoren über das Internet einsammeln können. Aufgrund unterschiedlicher Regularien ist es derzeit für Plattformen schwierig, in andere EU-Länder zu expandieren. Für das Crowdfunding sollen daher künftig einheitliche Regeln gelten und es soll die Lizenz eines Landes ausreichen, die jeweilige Plattform in ganz Europa betreiben zu können.

Demgegenüber sollen Anleger durch klare Regeln für die Offenlegung von Informationen, Regeln für Governance und Risikomanagement und einen kohärenten Ansatz für die Aufsicht von Crowdfunding-Plattformen geschützt werden.

Die EU-Staaten und das Europaparlament müssen dem Vorschlag noch zustimmen.

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Guenther Dobrauz

Guenther Dobrauz

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Guenther leads PwC Legal in Switzerland and the Legal FS Regulatory & Compliance Services department. He is a PwC Partner since 2015 and a global expert on legal advisory, specializing in supporting the structuring, authorization and ongoing lifecycle management of financial intermediaries and their products. He in particular also focuses on leading large scale regulatory change and compliance alignment projects.

Guenther is the author of books on investment selection, FinTech Regulation and European, Swiss and Liechtenstein investment law. He also wrote 80+ publications in international expert magazines and has to date been speaking at more than 60 conferences worldwide.

Guenther Dobrauz received his Masters and PhD degrees in law from Johannes Kepler University (Linz, Austria). He holds an MBA from the University of Strathclyde Graduate School of Business (Glasgow, UK) and has participated in Harvard Business School’s Executive Education Program.

Guenther Dobrauz was Legal Counsel of an international hedge fund group and served as Managing Partner and Legal Counsel of a Swiss Venture Capital firm. He has practiced in court and with a leading business law firm.