Grafiken nach «true and fair view» publizieren

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Grafische Darstellungen sollten dem Betrachter dabei helfen, sich auf einen Blick zu orientieren. Sie werden in Berichten, Statistiken und Präsentationen verwendet und haben dort unterschiedliche Funktionen. In einem Bericht illustrieren sie, was zu berichten ist, als Statistik belegen sie die Details und in Präsentationen erläutern sie einen komplexen Sachverhalt einfach und schlüssig. Häufig sind jedoch die vorgelegten Grafiken nicht nur unangemessen, sondern sogar falsch.

Der Test geht einfach und schnell: Den Begriff «Geschäftsbericht 2016» in die Suchmaschine eingeben, eines der vielen PDFs downloaden, nach Grafiken durchsuchen und den entsprechenden Abschnitt dazu lesen. Das Resultat ist ernüchternd: Der öffentlich zugängliche Geschäftsbericht einer grossen Genossenschaft in der Schweiz zeigt unter anderem diese Grafiken.

Auf den ersten Blick scheint soweit alles in Ordnung. Der Nettoerlös aus Lieferungen und Leistungen, sowie der Bruttogewinn steigen und werden grafisch dargestellt. Das Berichtsjahr wird farblich in Dunkelblau unterschieden. Die Grafiken werden von einem kurzen Text eingeleitet, der erklärt, wie das Ergebnis zustande gekommen ist.

Erst bei näherer Betrachtung nach den International Business Communication Standards (IBCS) wird ein Anpassungsbedarf ersichtlich. Denn die Grafiken geben den Sachverhalt in mehrfacher Hinsicht nicht korrekt wieder:

  • Die Werte der rechten Darstellung belegen eine Steigerung des Bruttogewinns von 19.51% seit 2012. Die Grafik selbst zeigt jedoch eine Steigerung von ca. 137%. Dieses optische Missverhältnis lässt sich zum Beispiel durch Nachmessen belegen. CHF 99.4 Mio. aus dem Jahr 2012 entsprechen 2.4 cm, während CHF 118.8 Mio. im Jahr 2016 ganze 5.7 cm ausmachen.
  • Die Grafiken Nettoerlös und Bruttogewinn sind nicht identisch skaliert.
  • Die y-Achse beginnt bei beiden Grafiken nicht bei 0.

Korrigieren wir diese Abbildungen nach IBCS, so zeigt sich ein völlig anderes Bild

In diesen Schaubildern sind die Darstellungsfehler korrigiert. Das Folgejahr lässt sich ebenfalls als Budgetwert nach IBCS (weisser Balken mit schwarzem Rahmen) darstellen. Eine Trennlinie stellt optisch klar, dass das zukünftige Geschehen vom aktuellen oder bisherigen zu unterscheiden ist. Die korrekten Verhältnisse sind deutlich erkennbar.

IBCS verlangt im Wesentlichen, dass auch für Geschäftsgrafiken das Prinzip von «true and fair view» angewandt wird. Demnach müssen Farben, Symbole und andere grafische Elemente eine Bedeutung haben. Die Darstellung muss formal korrekt sein, damit der Betrachter keine falschen Schlüsse daraus zieht.

Die Anwendung der IBCS bietet eine definierte Formensprache und ermöglicht eine fachgerechte visuelle und verbale Kommunikation. Zudem sorgt IBCS weltweit für ein einheitliches Verständnis der gleichen Sachverhalte: Zum Beispiel wird das Vorjahr immer grau, das aktuelle Jahr schwarz und die Prognosen schraffiert dargestellt.

Gerne zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Geschäftsgrafiken korrekt gestalten und so aussagekräftig kommunizieren.

Kontakt

Michael Gniffke
Director
Leiter Business Software Integration, PwC Schweiz
+41 58 792 47 74
michael.gniffke@ch.pwc.com

Veröffentlicht von

Michael Gniffke

Michael Gniffke

Michael Gniffke
PwC
Birchstrasse 160
Postfach, 8050 Zürich
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Michael Gniffke has been a Director at PricewaterhouseCoopers AG since 2004.

He has worked in business development, marketing strategies and planning, implementation of finance, ERP, HRM/payroll, management of IT projects (project management), method development, reorganisation of accounting, design and implementation of cost accounting, software evaluation, design and implementation of management information systems, management of mandated accounting, customer consulting, and training and support.

He has a bachelor’s degree in Business Administration gained at Zurich University of Applied Sciences (1999). He is the Leader of the Business Software Integration TLS division and of the Global Competence Centre PwC QlikView. Michael Gniffke is also an expert in HCC for virtual design and communication IBCS (International Business Communication Standards) and commercial education.