Die revidierte Quellenbesteuerung wird am 01.01.2021 rechtskräftig

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Das Parlament hat am 15. Dezember 2016 die Revision der Quellenbesteuerung mit dem «Bundesgesetz über die Revision der Quellenbesteuerung des Erwerbseinkommens» endgültig verabschiedet. Am 11. April 2018 hat nun der Bundesrat die totalrevidierte Quellensteuerverordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) verabschiedet. Beide Regelwerke treten am 01.01.2021 in Kraft.

Die Quellensteuerverordnung konkretisiert das verabschiedete Gesetz. Sie enthält kaum Überraschungen gegenüber der Vernehmlassung, die im Dezember 2017 abgeschlossen wurde.

Ist jemand quellensteuerpflichtig und hat er seinen Wohnsitz in der Schweiz, muss er wie bisher (in den meisten Kantonen) bei einer Einkommensgrenze von CHF 120‘000 eine Steuererklärung einreichen (Nachträgliche ordentliche Veranlagung, NOV). Alle anderen in der Schweiz wohnhaften Personen mit einem tieferen Einkommen können das freiwillig beantragen.

Antrag bei Quasiansässigkeit

Bei Wohnsitz im Ausland kann jemand nur einen Antrag auf eine Steuererklärung stellen, wenn er quasiansässig ist. Quasiansässigkeit bedeutet, dass 90 Prozent des Welteinkommens in der Schweiz versteuert werden. Diese 90 Prozent wurden aufgrund von kürzlich gefällten Gerichtsentscheiden relativiert. Dadurch ändert sich gegenüber dem Botschaftsvorschlag auch der Ablauf, wenn ein Quasiansässiger eine Steuererklärung beantragt: Er muss den Antrag innerhalb der gesetzten Frist (31.03. des Folgejahres) stellen. Entschieden wird allerdings aufgrund der eingereichten Steuererklärung.

Die wichtigsten Änderungen in Kürze

» Tarifcodes

Der Tarifcode D (Nebenerwerb) wird aus datenschutzrechtlichen Gründen im Quellensteuerverfahren abgeschafft: Damit sind alle Arbeitgeber einer quellensteuerpflichtigen Person mit mehr als einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit gehalten, die Quellensteuern zum ordentlichen Tarif zu erheben. Dieser wird in der Regel auf 100 Prozent bzw. 180 Stunden pro Monat des Einkommens umgerechnet. Durch die Streichung des Tarifcodes D entfällt auch der Tarifcode O für Grenzgänger Deutschland.

Allerdings verschwindet der Tarifcode D nicht gänzlich, sondern wird noch für einen Sonderfall neu eingesetzt: Für die Rückvergütung von AHV-Beiträgen (mind. 1 Jahr), sofern der Arbeitnehmer definitiv in ein Land auswandert, mit dem die Schweiz kein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. Dieser Code findet also keine Anwendung mehr für Arbeitgeber, sondern nur noch für die Ausgleichskassen. Ebenfalls nicht durch Arbeitgeber zu verwenden sind die neuen Tarifcodes G und Q. Die im bisherigen Tarifcode D Ziffer 2 erfassten quellensteuerpflichtigen Personen, die vom Versicherer Ersatzeinkünfte beziehen, werden neu im Tarifcode G geregelt. Die Ersatzeinkünfte umfassen Leistungen, die nicht über den Arbeitgeber, sondern vom Versicherer direkt an die quellensteuerpflichtige Person ausbezahlt werden. Der Tarifcode Q bezieht sich auf deutsche echte Grenzgänger in derselben Situation.

» Arbeitnehmer stärker in der Pflicht

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden explizit in die Pflicht genommen. Sie müssen neue Sachverhalte (z.B. Zivilstandsänderung, Geburt von Kindern, Aufnahme/Aufgabe Erwerbstätigkeit des Partners etc.) ihrem Arbeitgeber melden. Dies ist absolut notwendig, damit der Arbeitgeber die korrekten Quellensteuern berechnen und abliefern kann. Trotzdem wird der Arbeitgeber seine Arbeitnehmer darüber informieren und auf diese Verpflichtung hinweisen müssen.

» Weitere Konkretisierungen erwartet

Mit der Revision werden weitere Verordnungen angepasst, etwa die Expatriateverordnung (ExpaV). Dabei handelt es sich meist um redaktionelle Anpassungen.

Wie die NOV von Amtes wegen von den Steuerämtern umgesetzt wird, ist sehr offen formuliert. Die Kantone verfügen bei der Anwendung dieser Regelung über einen erheblichen Ermessensspielraum. Das zu erwartende Kreisschreiben dürfte hier Klarheit schaffen.

Dieses wird auch viel Konkreteres bezüglich einheitliche Berechnungsmethoden für alle Kantone enthalten. Nur so wird mit der Quellensteuerrevision tatsächlich eine Vereinfachung für die Arbeitgeber erreicht.

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Brigitte Zulauf
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Brigitte Zulauf

Brigitte Zulauf
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Brigitte Zulauf is a Partner at PwC Switzerland and Leader of Corporate Support Services Switzerland.

She is fully dedicated to payroll services, including advisory services for payroll and social security tax. She is the lead partner serving numerous multinational clients in areas including accounting and statutory financial statement compliance and the implementation of the Swiss ERP system ABACUS. She also has considerable knowledge of outsourcing and consulting services in the context of human resource management. As Compliance Partner in Switzerland, Brigitte works closely with the international client service teams on various aspects of client compliance.

She has a master’s in human resources management, and is a fiduciary with a federal diploma and a teacher.