Sozialversicherungen: Update der Wegleitungen

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In der Lohnbuchhaltung gehören die Wegleitungen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) zu Ihren täglichen Werkzeugen. Deren Relevanz für die Praxis ergibt sich insbesondere aus ihrer Aktualität und den klaren Anweisungen zu konkreten Geschäftsvorfällen. Für 2018 hat das BSV erneut Anpassungen vorgenommen.

Die Wegleitung über die Versicherungspflicht in der AHV/IV (WVP) und die Wegleitung über den massgebenden Lohn (WML) sind für Sie als Mitarbeiter in der Lohnbuchhaltung zentral. Die WVP hilft zu klären, ob ein Sachverhalt Anknüpfungspunkte für eine Versicherungsunterstellung in der Schweiz bietet. Die WML hingegen setzt bei geldwerten Vorteilen für Mitarbeiter an. Sie klärt die Frage, ob und in welchem Umfang diese Vorteile AHV-beitragspflichtig sind. Nachfolgend fassen wir die wichtigsten Neuerungen für Ihre Lohnbuchhaltung zusammen.

Änderungen in der Versicherungspflicht

Die angepasste WVP berücksichtigt das Inkrafttreten des Sozialversicherungsabkommens mit China am 19. Juni 2017. Von diesem Abkommen ausgenommen sind die Sonderverwaltungszonen Hongkong, Macao und Taiwan. Es wird als Entsendeabkommen bezeichnet, da es nur die anwendbaren Rechtsvorschriften regelt, aber keinen Export von Rentenleistungen vorsieht.

Die grösste Änderung im Bereich der Versicherungspflicht ist die Nutzung der Applicable Legislation Platform Switzerland ALPS seit dem 1. Januar 2018. Dieses Onlinesystem dient der Kommunikation mit Arbeitgebern und dem BSV im Zusammenhang mit Versicherungsunterstellung (insbesondere Gesuche um Entsendung, Arbeitgeberweiterführungsversicherung, Meldungen von Mehrfachtätigkeiten). Nachdem einzelne Arbeitgeber und Ausgleichskassen in einer Pilotphase mit ALPS gearbeitet haben, geht das System nun live und ist ein Muss für sämtliche Ausgleichskassen.

In der AHV/EL Mitteilung 402 wird die Einführung von ALPS detailliert. In der WVP bewirkt die Einführung von ALPS keine Anpassungen. Die Mitteilung erläutert zudem einige Sachverhalte bei Tätigkeit in mehreren Staaten, etwa die Berechnung der Wesentlichkeitsgrenze.

Änderungen in der Beitragsbemessung

Die jüngste Fassung der WML enthält keine Bestimmungen mehr zur Kompetenzaufteilung zwischen den AHV-Ausgleichskassen und der SUVA bei Statusbeurteilungen von Handelsreisenden und Akkordanten (Selbstständigkeit vs. Arbeitsverhältnis). Denn dazu fehlt die gesetzliche Grundlage. So wurde eine Reihe von Randziffern aufgehoben (Rz 1033, 4019, 4033-4044, 4051-4055).

Neu ausdrücklich geregelt ist die beitragsrechtliche Behandlung von WIR-Geld, das an Mitarbeiter ausgeschüttet wird. Diese Beträge sind ohne Diskont voll beitragspflichtig. Die WML präzisiert ebenfalls, dass bei WIR-Geld, das mit einem Rabatt an die Mitarbeitenden weitergegeben wird (analog REKA-Geld), die Differenz zwischen Wert und Ankaufswert des Mitarbeiters beitragspflichtig ist, also anders als bei REKA-Geld.

Erneut leicht konkretisiert wurde die Randziffer 3007. Neu ist klar vorgegeben, wie ein Arbeitgeber Abonnemente des öffentlichen Verkehrs beitragstechnisch behandeln muss. Unverändert ist die verschwommene Formulierung, wonach keine Beitragspflicht besteht, wenn an 40 Tagen Geschäftsreisen unternommen werden. Weiter offen bleibt die Frage, ob 40 sehr kurze Dienstreisen die Beitragsbefreiung gemäss Randziffer 3007 rechtfertigen. Nach der aktuellen WML muss dies bejaht werden.

Exkurs WBB

Die WML und die WVP sind den meisten Personalverantwortlichen geläufig. Mit der Wegleitung über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und EO (WBB) hingegen arbeiten vorwiegend Ausgleichskassen, die den Vollzug der Sozialversicherungen sicherstellen. Änderungen in der WBB wirken sich daher eher selten direkt auf den Personalalltag in den Unternehmen aus.

Die neueste Ausgabe der WBB (gültig ab 01.01.2018) enthält allerdings eine Anpassung mit Zündstoff: Neu wurde die Randziffer 2035.1 zur Beitragserhebung in der ALV auf nachträgliche Lohnzahlungen eingefügt und in Randziffer 2035.3 mit einem Beispiel ergänzt. Problematisch dabei ist einerseits, dass zurzeit keine der führenden Lohnsoftwarelösungen diese Vorschriften abbilden kann. Andererseits erachten viele Fachpersonen die Vorschrift als widersprüchlich und das Resultat der Anwendung als stossend.

Kontakt

Dominic Müller
Senior Manager and Specialist for Payroll & Employment Solutions
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Dominic Müller

Dominic Müller

Senior Manager und Spezialist für Payroll & Employment Solutions

Dominic Müller stiess 2016 zu PwC. Der gelernte Jurist leitet diverse Payroll-Mandate und hat sich auf rechtliche, sozialversicherungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen von Arbeitsverhältnissen spezialisiert. Vor seiner Tätigkeit bei PwC war er in leitender Funktion im HR-Consulting und Payroll-Bereich tätig. Im Weiteren doziert Dominic Müller an einer höheren Fachschule über das Thema Personalmanagement.