Abänderung des Steuergesetzes

Die aktuellen steuerlichen Entwicklungen auf internationaler und europäischer Ebene (insbesondere Umsetzung von BEPS und ATAD) führen zu einer hohen gesetzgeberischen Dynamik bei den Mitgliedstaaten der OECD bzw. des EU/EWR-Raums. Auch Liechtenstein ist von dieser Entwicklung betroffen. So hat die liechtensteinische Regierung mit Vernehmlassungsbericht vom 20.02.2018 den Prozess für eine weitere Abänderung des Steuergesetzes angestossen.

Hintergrund der vorgeschlagenen Änderungen ist die Zusicherung der liechtensteinischen Regierung an die EU, Defizite des aktuellen Steuergesetzes im Bereich der Unternehmensbesteuerung bis Ende 2018 zu beseitigen. Dies sind insbesondere fehlende Missbrauchsbestimmungen im Zusammenhang mit der Freistellung von Dividenden und Kapitalgewinnen und mit dem Eigenkapital-Zinsabzug. Ebenfalls beanstandet wurde die asymmetrische steuerliche Behandlung von Kapitalgewinnen und Verlusten (bzw. Abschreibungen) auf Beteiligungen.

Die weiteren vorgeschlagenen Änderungen stehen nicht im Zusammenhang mit den von der EU geforderten Anpassungen des Steuergesetzes.


Abbildung: Wesentliche Änderungen im Überblick

Die vorgeschlagenen Anpassungen sollen erstmals für die Veranlagung des Steuerjahres 2019 gelten.

Ausblick

Unter Berücksichtigung der eingegangenen Stellungnahmen zum Vernehmlassungsbericht arbeitet die liechtensteinische Regierung gegenwärtig einen Bericht und Antrag („BuA“) an den Landtag betreffend die Abänderung des Steuergesetzes aus. Wir gehen davon aus, dass der Landtag den BuA in der Arbeitssitzung im Mai oder Juni 2018 behandelt.

Ansprechpartner

Martin_Meyer_09723
Martin Meyer
PwC | Director
Office: +41 58 792 42 96
Mobile: +41 79 348 36 13
Email
PricewaterhouseCoopers GmbH
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz
http://www.pwc.ch

 

Stadler_Yves_58957
Yves Stadler
PwC | Manager
Office: +41 58 792 74 55
Mobile: +41 76 570 05 09
Email
PricewaterhouseCoopers AG
Neumarkt 5, CH-9001 St. Gallen
http://www.pwc.ch

AIA: Liechtensteinische Finanzinstitute müssen keine AIA-Meldung für Personen aus nicht-reziproken AIA-Partnerstaaten durchführen

Die Steuerverwaltung des Fürstentums Liechtenstein hat in seinem Newsletter 2/2018 festgehalten, dass meldende Liechtensteinische Finanzinstitute Personen aus nicht-reziproken AIA-Partnerstaaten nicht an die Steuerverwaltung melden müssen.

Nicht-reziproke Staaten

Grundsätzlich basiert der AIA auf einem reziproken Meldesystem verschiedener Partnerstaaten. Dies bedeutet, dass die Partnerstaaten die meldepflichtigen Informationen gegenseitig austauschen. Einige Staaten verzichten jedoch auf den Empfang der AIA-Meldungen. Der Grund dafür liegt beispielsweise darin, dass der entsprechende Staat keine Einkommenssteuer kennt und daher diese steuerlichen Informationen nicht benötigt.

Die Steuerverwaltung listet für die Meldeperioden 2017 und 2018 folgende AIA-Partnerstaaten als nicht-reziprok auf:

  • Anguilla
  • Bermuda
  • Britische Jungferninseln
  • Cayman Inseln
  • Kuwait
  • Marshallinseln
  • Nauru
  • Turks- und Caicosinseln
Informations- und Meldepflichten bei Personen aus nicht-reziproken Staaten

Die Steuerverwaltung hat im Newsletter festgehalten, dass die Sorgfaltspflichten gemäss Artikel 7 AIA-Gesetz auch für Personen aus nicht-reziproken Staaten angewendet werden müssen. Hingegen muss für diese Personen keine AIA-Meldung nach Art. 9 AIA-Gesetz an die Steuerverwaltung abgesetzt werden, sofern diese Personen ausschliesslich in nicht-reziproken Staaten steuerlich ansässig sind. Eine Informationspflicht gemäss Art. 10 AIA-Gesetzt besteht für solche Personen konsequenterweise nicht. Es ist einem Liechtensteinischen Finanzinstitut jedoch erlaubt, die Informationspflicht gemäss Art. 10 AIA-Gesetz auch auf Personen aus nicht-reziproken Staaten anzuwenden.

Ein Liechtensteinisches Finanzinstitut muss jedoch beachten, dass für Personen, welche zusätzlich in einem reziproken Staat ansässig sind, die Melde- und Informationspflichten für die übrigen Staaten unverändert wahrzunehmen sind.

Ansprechpartner


Martin Meyer

PwC | Director
Office: +41 58 792 42 96
Mobile: +41 79 348 36 13
Email
PwC Liechtenstein
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz

 

 


Bruno Hollenstein
PwC | Partner
Office: +41 58 792 43 72
Mobile: +41 9 865 19 69
Email
PwC Schweiz
Birchstrasse 160 | Postfach | 8050 Zürich

Die Steuergesetze des Fürstentums Liechtenstein

Sammlung praxisrelevanter Steuererlasse

Die Ausgabe 2018 wurde vollständig überarbeitet und enthält sämtliche per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Gesetzesänderungen und relevanten Bekanntmachungen.


Unter anderem wurden die per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Änderungen im liechtensteinischen Mehrwertsteuergesetz, welche aufgrund der in der Schweiz verabschiedeten Teilrevision notwendig wurden, in dieser Auflage vollumfänglich berücksichtigt. Weiter erfuhr die Steuerverordnung verschiedene Anpassungen insbesondere im Bereich der Steueranrechnung sowie dem Fremdvergleichsgrundsatz, die Übersicht der Doppelbesteuerungs- und internationalen Steuerabkommen wurde aktualisiert und weitere Anpassungen der Steuergesetzgebung sowie verschiedener Merkblätter wurden eingearbeitet.
 
Zudem wurde das Layout angepasst, um das kompakte Nachschlagewerk für den Alltagsgebrauch noch benutzerfreundlicher zu machen. Die Publikation umfasst die wesentlichen praxisrelevanten Steuererlasse inklusive einschlägiger Merkblätter und soll ein Handbuch und Nachschlagewerk für Praktiker mit Bezug zum Fürstentum Liechtenstein sein.

Kontakt

Meyer_Martin_09723_01
Martin Meyer
PwC | Director
Office: +41 58 792 42 96
Mobile: +41 79 348 36 13
Email
PricewaterhouseCoopers GmbH
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz

Weitreichende Folgen disruptiver Innovationen

Der liechtensteinische Finanzplatz hat in den vergangenen Jahren seine Anpassungsfähigkeit bewiesen, indem er sich mit den Rahmenbedingungen mitverändert hat. Die Akteure der Finanzindustrie betreuen heute mehr Vermögen als vor Ausbruch der Finanzkrise. Die Standortattraktivität für Private Banking und Wealth Management ist ungebrochen. Dabei unterliegt die Branche nicht nur im Fürstentum Liechtenstein einem fundamentalen Wandel. Wichtigster Treiber ist die Digitalisierung. Am stärksten betroffen sind die Banken. Immer mehr sogenannte „digitale Disruptoren“ bieten Bankdienstleistungen an, ohne selbst ein Bankenmodell betreiben zu wollen.

Herausforderung Digitalisierung

Das Verhalten und die Erwartungen der Kunden haben sich entwickelt. Neue Wettbewerber (z.B. FinTechs) und neue Technologien (z.B. Blockchain) verändern das Geschäftsmodell der Banken grundlegend. Die Digitalisierung bietet neue Chancen, schafft aber auch Risiken. Traditionell aufgestellte Banken betreiben ein integriertes Geschäft. Dabei werden selbst entwickelte Produkte über die eigenen Vertriebskanäle vertrieben. Sämtliche Transaktions- und Supportdienstleistungen werden intern erbracht. Im Kontrast dazu ermöglichen neue Technologien eine hohe Standardisierung und damit eine Zerlegung der Wertschöpfungskette. Laut dem PwC Global FinTech Report 2017 wollen 82 % der befragten Studienteilnehmer in den nächsten drei bis fünf Jahren Partnerschaften mit FinTech-Unternehmen eingehen. 77 % gehen davon aus, dass die Blockchain-Technologie bis im Jahr 2020 in ihrem Unternehmen Teil der produktiven Systemumgebung sein wird. Die Banken in Liechtenstein werden sich dieser Entwicklung nicht entziehen können. Sie sind gefordert, die strategischen Handlungsoptionen sorgfältig zu analysieren und die richtigen Massnahmen in die Praxis umzusetzen.

Attraktive Rahmenbedingungen

Die Regierung unterstützt den technologischen Wandel mit dem Programm „Impuls Liechtenstein“ und dem bei der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht (FMA) angesiedelten „Regulierungslabor“. Die FMA verfolgt eine zukunftsgerichtete Regulierung in Übereinstimmung mit europäischem Recht. Das Kompetenzteam des Regulierungslabors berät Finanzintermediäre an der Schnittstelle zwischen Regulierung und Markt. Auf gesetzlicher Ebene sind Anpassungen im Bankengesetz erfolgt, die eine bedarfsgerechte Zulassung von Leistungserbringern erlauben. Zudem bestehen gesonderte gesetzliche Grundlagen für Zahlungs- und E-Geld-Institute. Daneben profitieren Dienstleister und Organisationen von privaten Initiativen, die zur wichtigen Vernetzung der FinTech-Branche in Liechtenstein beitragen.

Intakte Chancen

Die Chancen, den technologischen Wandel zu meistern, sind intakt. Der Finanzplatz Liechtenstein zeichnet sich durch ein grosses Know-how im Finanzbereich, schnelle und kurze Entscheidungswege sowie praxisorientierte Lösungen aus. Dies schafft Stabilität und Rechtssicherheit. Das sind gute Voraussetzungen, um in einer schnelllebigen Zeit auch in Zukunft erfolgreich im Wettbewerb bestehen zu können. Die Finanzintermediäre sind aber mehr denn je gefordert, ihre Anpassungsfähigkeit auch in Zukunft unter Beweis zu stellen.

Kontakt

Martin_Meyer_09723
Claudio Tettamanti
PwC | Partner | Marktleiter Liechtenstein
Office: +423 233 10 02
Mobile: +41 79 696 45 89
Email
PricewaterhouseCoopers GmbH
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz

PwC Workshops am Finance Forum Liechtenstein 2018 – Vaduz, Mittwoch, 21. März 2018

Finance 2.0 – Die Finanzbranche im Wandel

Die vierte Ausgabe des Finance Forum Liechtenstein findet am Mittwoch, 21. März 2018, ab 13.30 Uhr in Vaduz statt. Die Finanztagung vernetzt jeweils rund 600 Entscheidungsträger aus der Finanzbranche und bietet hochkarätige Referenten, interessante Workshops und attraktive Networking-Plattformen. Die Tagung widmet sich unter dem Titel „Finance 2.0 – die Finanzbranche im Wandel“ den aktuellen Herausforderungen für die Finanzdienstleister in Liechtenstein und der Schweiz. Hochkarätige Referentinnen und Referenten zeigen auf, welche technologischen, regulatorischen und gesellschaftlichen Trends bevorstehen und wie die Finanzmarktteilnehmer frühzeitig auf diese Entwicklungen reagieren können.

Im Rahmen des Finance Forum Liechtenstein organisieren wir exklusive Workshops.

Passend zum Tagesthema bietet PwC den Gästen des Finance Forums im Vorfeld drei verschiedene Workshops zu aktuelle Themen an.

Private Wealth in a modern, tax compliant world – Was macht eine Struktur nachhaltig?
– Dr. Markus Neuhaus, Verwaltungsratspräsident, PwC Schweiz und Präsident der Kommission Steuern von EXPERTsuisse
– Dr. Marcel Widrig, Private Wealth Leader und Global Tax Leader UHNWI, PwC Schweiz
– Martin Meyer, Private Wealth and Financial Services Leader, PwC Liechtenstein

FinTech, RegTech und LegalTech – Status Quo und Bedeutung für die Zukunft
– Dr. Günther Dobrauz, Leader Legal, PwC Schweiz

Technology changes everything!? – Chancen und Herausforderungen von „Robotics Process Automation“ und „Process Mining“
– Gerald Gonsior, Partner, Consulting Asset and Wealth Management, PwC Deutschland

Geben Sie bei Ihrer Anmeldung das Thema Ihrer Wahl an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Ich freue mich, Sie am Finance Forum Liechtenstein 2018 und an unserem Workshop begrüssen zu dürfen.

Claudio Tettamanti
Marktleiter Liechtenstein

Zugang zu europäischen Investoren – Liechtensteinische Vertriebsplatformen als Alternative?

SECA Lunch Event, 27. November 2017, 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr

Online-Anmeldung

Der Vertrieb von Private Equity Fonds aus der Schweiz nach Europa stellt ohne europäisches Standbein ein hindernisreiches Unterfangen dar. In regulatorischer und steuerlicher Hinsicht werden immer höhere Anforderungen an die Vertriebsplattformen in Europa gestellt. Somit stellt sich die Frage, ob für Schweizer Private Equity Fondsmanager auch inskünftig Luxemburg und Irland die dominierenden Distributionshubs sein werden oder ob das benachbarte Liechtenstein eine Alternative darstellen kann. In dieser Lunch-Diskussion/Präsentation werden die Vor- und Nachteile der einzelnen Vertriebsstandorte diskutiert.

Podiumsteilnehmer

  • Hans Markvoort
    Head of Structuring Private Market, LGT Capital Partners Ltd.
  • Dr. Marc Wicki
    Managing Director, Structuring/Client Solutions, Partners Group AG
  • Stephanie Aldag
    General Counsel Corporate and Regulatory, Schroder Adveq Management AG
  • Peter Ackermann
    Head Legal & Compliance, responsAbility Investments AG
  • Raimond Schuster
    Mitglied der Geschäftsleitung, CAIAC Fund Management AG

Programm

  • 11:00, Registrierung
  • 11:15, Einführung (was sind die Themen bei der Standortwahl?)
  • 11:35, Kurzreferat zum Standort Liechtenstein
  • 11:55, Podiumsdiskussion mit ausgewählten Fondsmanagern
  • 12:45, Schlusswort, Lunch & Networking

Location

Zunfthaus zur Meisen, Münsterhof 20, 8001 Zürich

 

Online-Anmeldung

 

Kontakt

Martin_Meyer_09723
Claudio Tettamanti
PwC | Partner | Marktleiter Liechtenstein
Office: +423 233 10 02
Mobile: +41 79 696 45 89
Email
PricewaterhouseCoopers GmbH
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz

 

 

Meyer_Martin_09723_01
Martin Meyer
PwC | Director
Office: +41 58 792 42 96
Mobile: +41 79 348 36 13
Email
PricewaterhouseCoopers GmbH
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz

Investmentfonds in Liechtenstein

Praktischer Überblick und rechtliche Grundlage

Im Sommer 2006 haben wir unsere erste Broschüre über liechtensteinische Anlagefonds herausgegeben. Diese und die darauffolgenden Publikationen dienten vielen Praktikern als Nachschlagewerk und erfreuten sich einer sehr grossen Beliebtheit. Seit dieser ersten Publikation sind nun mehr als zehn Jahre vergangen.

Mit der vorliegenden Ausgabe stellen wir Ihnen wieder ein handliches und umfassendes Arbeitshilfsmittel zur Verfügung. Sie erhalten damit einen guten Überblick über den aktuellen Stand der liechtensteinischen Investmentfonds (inkl. Selbstregulierung) und die bewilligungs- und meldepflichtigen Tatbestände. Bei der Wiedergabe der Publikationen der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) und des liechtensteinischen Anlagefondsverbandes (LAFV) beschränken wir uns auf die wichtigsten Dokumente; diese sind in der aktuellsten Version über die Internetseiten (www.fma-li.li bzw. www.lafv.li) abrufbar.

Wir sind überzeugt, dass Ihnen auch die aktuelle Ausgabe von Investmentfonds in Liechtenstein ein nützlicher Begleiter im Alltag sein wird.

Auf unserer Homepage finden Sie weitere nützliche Informationen wie auch eine regelmässig aktualisierte Onlineversion dieses Buches.

Wir beraten Sie gerne bei der Umsetzung von regulatorischen Fragen und stehen Ihnen für weitere Auskünfte sehr gerne zur Verfügung.

Download

 

Auswirkungen des AIA auf Selbstanzeigen – unterschiedliche Haltung der Kantone

Mit Hilfe des globalen Standards für den automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten (AIA) soll die grenzüberschreitende Steuerhinterziehung verhindert werden. Der Standard sieht vor, dass Staaten, die den AIA untereinander vereinbart haben, gegenseitig Informationen über Finanzkonten austauschen.

Die Schweiz hat mit insgesamt 37 Partnerstaaten, darunter die 28 EU-Länder, den AIA mit Beginn ab dem 1. Januar 2017 vereinbart. Zwischen der Schweiz und diesen Partnerstaaten werden seit Anfang 2017 Daten gesammelt und im Jahr 2018 erstmals ausgetauscht. Nach dem Willen des Bundesrats soll mit insgesamt 41 weiteren Ländern, unter anderem auch mit Liechtenstein, der AIA ein Jahr später, also am 1. Januar 2018, in Kraft treten. Vorausgesetzt die eidgenössischen Räte stimmen dieser Erweiterung zu, kann ein erster Datenaustausch mit diesen Ländern im Jahr 2019 erfolgen.

AIA Liechtenstein – Schweiz ab 2018

Zwischen den Nachbarländern Schweiz und Liechtenstein bestehen enge politische Beziehungen und wirtschaftliche Verflechtungen. Aufgrund zahlreicher Verträge bilden die beiden Länder einen gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraum mit offenen Grenzen. Seitens der Schweiz besteht aufgrund des bedeutenden liechtensteinischen Finanzsektors ein Interesse an der Einführung des AIA, um Steuerinformationen über (vermutete) undeklarierte Vermögenswerte von Schweizern am Finanzplatz Liechtenstein zu erhalten. Die Schweiz hat daher seinen kleinsten Nachbarstaat als wichtigen Wirtschafts- und Handelspartner bereits vor einigen Monaten auf ihre „Wunschliste“ der AIA-Partnerstaaten mit Inkrafttreten Anfang 2018 aufgenommen.

Die liechtensteinische Regierung hat nun am 11. Oktober 2017 dem Landtag den Antrag gestellt, das liechtensteinische AIA-Netzwerk um weitere 27 Länder – inklusive der Schweiz – auszudehnen. Die Zustimmung in der November-Session des Landtags scheint unbestritten zu sein. Somit wird der AIA zwischen Liechtenstein und der Schweiz mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit auf 1. Januar 2018 mit erstmaligem Datenaustausch im Jahr 2019 in Kraft treten.

Einmalige Chance einer straflosen Selbstanzeige

Für in der Schweiz steuerpflichtige Personen, welche Vermögenswerte und Einkünfte (beispielsweise eine Bankbeziehung oder eine Liegenschaft) in einem AIA-Partnerstaat bislang nicht oder nur teilweise deklariert haben, steigt mit Einführung des AIA das Entdeckungsrisiko. Wer nicht von den Behörden ertappt und gebüsst werden will, kann mittels einer Selbstanzeige reinen Tisch machen.

Bei einer Selbstanzeige besteht seit 1. Januar 2010 die Möglichkeit einmal im Leben eine straflose Selbstanzeige einzureichen. Dabei werden die Vermögenswerte und Einkünfte der letzten 10 Jahre plus Verzugszins nachversteuert. Die Durchführung eines Strafverfahrens entfällt dann, wenn

  • erstmals eine Steuerhinterziehung selbst angezeigt wird;
  • die Hinterziehung zum Zeitpunkt der Anzeige noch keiner Steuerbehörde bekannt war;
  • die steuerpflichtige Person mit der Steuerbehörde vorbehaltslos zusammenarbeitet, um den Betrag der geschuldeten Steuer festzustellen;
  • und die steuerpflichtige Person sich ernstlich um die Bezahlung der geschuldeten Nachsteuer bemüht.

Im Zusammenhang mit der Einführung des AIA stellt sich nun die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt eine Selbstanzeige noch aus „eigenem Antrieb“ erfolgt bzw. ab wann man davon ausgehen muss, dass die Hinterziehung der Steuerbehörde bekannt ist.

Bis wann ist eine (straflose) Selbstanzeige möglich?

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat Mitte September 2017 ihre Haltung bezüglich der Frage, wie sich der AIA auf die Möglichkeiten zur (straflosen) Selbstanzeige auswirkt, kommuniziert. Nach Ansicht der ESTV wird die Kenntnis für dem AIA unterliegende Steuerfaktoren spätestens ab dem 30. September des Jahres, in welchem der diesbezügliche Datenaustausch (erstmals) stattfindet, vorausgesetzt. Eine Selbstanzeige nach diesem Zeitpunkt erfolge nicht mehr aus eigenem Antrieb. Deshalb ist nach Meinung der ESTV eine (straflose) Selbstanzeige für dem AIA unterliegende Steuerfaktoren ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Konkret bedeutet dies nach Meinung der ESTV, dass eine Selbstanzeige betreffend ein bisher unversteuertes Konto in Deutschland oder einem anderen EU-Land bis spätestens 30. September 2018 erfolgen muss. Bei einem Konto in Liechtenstein erfolgt der erste Datenaustausch erst ein Jahr später, weshalb dem Steuerpflichtigen bis spätestens 30. September 2019 Zeit bleibt.

Die Beurteilung, ob eine Selbstanzeige die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, obliegt jedoch der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung. Dies gilt auch für die Frage, ob die Behörden von den zur Anzeige gebrachten Steuerfaktoren Kenntnis hatte, und die Anzeige deshalb nicht mehr aus eigenem Antrieb erfolgt. Die Kenntnis aus anderen Quellen sowie das Erfüllen der übrigen Voraussetzungen der Selbstanzeige sind unabhängig von diesem Zeitpunkt.

Unterschiedliche Haltung der Kantone

Bis wann eine straflose Selbstanzeige im Zusammenhang mit dem AIA noch eingereicht werden kann, richtet sich somit nach der Haltung des jeweiligen Wohnsitzkantons des Steuerpflichtigen. Während die kleineren Ostschweizer Kantone noch nicht final entschieden haben, wie sie mit der Fragestellung umgehen werden, orientieren sich die Kantone St. Gallen, Thurgau und Graubünden an der Haltung der ESTV. Alle drei Kantone stützen jedoch nicht auf den 30. September als fixes Datum, sondern auf den Zeitpunkt des effektiven Eintreffens der (erstmaligen) AIA-Daten bei der ESTV ab. Treffen die Daten aus dem betroffenen Land beispielsweise bereits am 3. August 2018 ein, gilt dieser Zeitpunkt.

Liberal zeigt sich der Kanton Zürich: Eine straflose Selbstanzeige ist solange möglich, bis die Steuerhinterziehung durch den Steuerkommissär tatsächlich entdeckt wurde. Die Tat gilt im Zusammenhang mit dem AIA dann als entdeckt, wenn die Meldedaten des Partnerstaates mit der Steuererklärung des Steuerhinterziehers abgeglichen wurden. Das blosse Eintreffen der AIA-Meldung bei den Steuerbehörden gilt nicht als Tatentdeckung.

Weniger Zeit bleibt den Steuerpflichtigen im Kanton Schwyz: Die kantonale Steuerverwaltung stützt auf des Inkrafttretens des AIA mit dem jeweiligen Partnerstaat ab. Nach diesem Zeitpunkt könne nicht mehr von „spontanem eigenen Antrieb“ gesprochen werden. Verfügt ein Schwyzer Steuerpflichtiger über ein bisher unversteuertes Konto in Deutschland oder einem anderen EU-Land, hätte eine straflose Selbstanzeige noch vor dem 1. Januar 2017 eingereicht werden müssen. Der AIA mit Liechtenstein tritt voraussichtlich am 1. Januar 2018 in Kraft, womit dem Steuerpflichtigen mit einem Konto in Liechtenstein nur noch bis Ende 2017 Zeit für die Einreichung einer straflosen Selbstanzeige bleibt.

Tabellarische Übersicht: Haltung der Kantone

Kanton  Bis wann ist eine Selbstanzeige unter Berücksichtigung des AIA möglich?
AR Noch nicht entschieden oder keine Antwort erhalten.
AI Noch nicht entschieden oder keine Antwort erhalten.
GL Noch nicht entschieden oder keine Antwort erhalten.
GR Stützt auf den Zeitpunkt des effektiven Eintreffens der Daten bei der ESTV ab.
SG Stützt auf den Zeitpunkt des effektiven Eintreffens der Daten bei der ESTV ab.
SH Stützt auf den Zeitpunkt des effektiven Eintreffens der Daten bei der ESTV ab, jedoch spätestens auf den 30. September.
SZ Stützt auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens des AIA mit dem jeweiligen Land ab. Nach diesem Zeitpunkt könne nicht mehr von „eigenem Antrieb“ gesprochen werden.
TG Stützt auf den Zeitpunkt des effektiven Eintreffens der Daten bei der ESTV ab.
ZH Stützt auf den Zeitpunkt der effektiven Tatentdeckung ab. Das blosse Eintreffen der AIA-Meldung gilt nicht als Tatentdeckung.

Fazit

Mit Einführung und der globalen Erweiterung des AIA erhöht sich das Entdeckungsrisiko für Personen mit bislang unversteuerten Vermögenswerten im Ausland. Wer nicht von den Behörden ertappt und gebüsst werden will, sollte spätestens jetzt die notwendigen Vorkehrungen für die Einreichung einer straflosen Selbstanzeige treffen. Bis wann eine straflose Selbstanzeige noch rechtzeitig eingereicht werden kann, ist abhängig vom Wohnsitzkanton und dem Land, in welchem die bislang unversteuerten Vermögenswerte liegen. Damit keine Fehler passieren, empfiehlt sich professionelle Unterstützung.

Ansprechpartner

Brunner_Roman_09544Roman Brunner
PwC | Partner
Office: +41 58 792 72 66
Mobile: +41 79 676 40 63
Email
PricewaterhouseCoopers AG
Vadianstrasse 25a | Neumarkt 5 | 9001 St. Gallen

 

 

Bieri_Ralph_70735
Ralph Bieri
PwC | Senior Manager
Office: +41 58 792 72 76
Mobile: +41 79 643 14 37
Email
PricewaterhouseCoopers AG
Vadianstrasse 25a | Neumarkt 5 | 9001 St. Gallen

Die Steuergesetze des Fürstentums Liechtenstein 2017

Sammlung praxisrelevanter Steuererlasse

Im Mai erscheint die erste Auflage der neuen Gesetzessammlung „Die Steuergesetze des Fürstentums Liechtenstein 2017“. Es handelt sich hierbei um die erste kompakte Erlasssammlung dieser Art für den Steuerstandort Liechtenstein. Die Publikation umfasst die wesentlichen praxisrelevanten Steuererlasse inklusive einschlägiger Merkblätter und soll ein Handbuch und Nachschlagewerk für Praktiker mit Bezug zum Fürstentum Liechtenstein sein.

Buch bestellen

Kontakt

Meyer_Martin_09723_01
Martin Meyer
PwC | Director
Office: +41 58 792 42 96
Mobile: +41 79 348 36 13
Email
PricewaterhouseCoopers GmbH
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz

Lettland streicht Liechtenstein von Black-List

Gemäss Medienmitteilung der Liechtensteinischen Regierung vom 27. Oktober 2017 wurde Liechtenstein von der lettischen Liste der Null- bzw. Niedrigsteuerländer (sog. Black-List) entfernt.

Aufgrund der Vereinbarung des Informationsaustausches im Steuerbereiche wird Liechtenstein in Lettland nicht mehr als Null- bzw. Niedrigsteuerland angesehen. Somit sind Dividendenausschüttungen, Zinsen- und Lizenzgebührenzahlungen einer in Lettland ansässigen Gesellschaft an eine liechtensteinische Gesellschaft von der lettischen Quellensteuer befreit. Zudem greift nun auf Ebene einer lettischen Gesellschaft eine Steuerbefreiung für Dividendenerträge aus liechtensteinischen Beteiligungen.

Die Streichung von der lettischen Black-List trägt zur weiteren Stärkung des Wirtschaftsstandorts Liechtenstein bei.

Ansprechpartner

Martin_Meyer_09723
Martin Meyer
PwC | Director
Office: +41 58 792 42 96
Mobile: +41 79 348 36 13
Email
PricewaterhouseCoopers GmbH
Austrasse 52 | Postfach | FL-9490 Vaduz

 

 

Bieri_Ralph_70735
Ralph Bieri
PwC | Senior Manager
Office: +41 58 792 72 76
Mobile: +41 79 643 14 37
Email
PricewaterhouseCoopers AG
Vadianstrasse 25a | Neumarkt 5 | 9001 St. Gallen